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Institut für Konservierung - Restaurierung
Konservierung und Restaurierung
Betreuung: Baatz, Wolfgang
Die fragmentarische und stark überarbeitete barocke Raumfassung der Sala Terrena im Wiener Deutschordenshaus: Bestands- und Zustandserfassung, Maßnahmenkonzept und Probearbeit, 2013
Abschlussjahr: 2013
Die Sala Terrena im Wiener Deutschordenshaus mit ihren um 1770 in Kalkfresko-Kalksecco ausgeführten Wandmalereien stellt ein bedeutendes Ensemble aristokratischer Repräsentationskunst im Wien des 18. Jahrhunderts dar. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts von Kalktünche überdeckt, wurden die Malereien 1941 wiederentdeckt, unter großen Mal- und Putzschichtverlusten grob freigelegt und im Stil der Zeit ergänzt und übermalt. Bedingt durch seine Souterrainlage und verstärkt durch den Einsatz inkompatibler Bau- und Restauriermaterialien ist der Raum dem Einfluss bauschädlicher Salze ausgesetzt. Folglich verursachten Bindemittelumwandlungen, strukturelle Entfestigung und oberflächliches Abwittern des Putzes schwere Schäden und Substanzverluste an der Raumfassung.

Zwischen 1979- 1990 wurden die Malereien Gegenstand der Anwendung neuartiger Restauriermethoden. Während mehrerer Bearbeitungsphasen wurden verschiedene Festigungsmittel wie Kunstharze, Methylkieselsäureester und Bariumhydroxid eingebracht, die im Zusammenhang mit der Salzbelastung zu weiteren Schadensphänomenen führten.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Untersuchung der salzinduzierten Schäden sowie der Evaluierung der restauratorischen Eingriffe, welche unter besonderer Berücksichtigung von Raumklima und Raumnutzung als die hauptsächlichen Ursachen für die vorliegenden Schäden erachtet werden. Ein Konzept zur Konservierung und Restaurierung der Raumfassung wurde entwickelt und die wichtigsten Arbeitsschritte an Musterflächen exemplarisch durchgeführt:

An Musterfläche A in der Sockelzone, die Salzkrusten, Fehlstellen und absandenden Putz aufwies, wurde mittels wässriger abtrocknender Kompressen versucht, die Konzentration leichtlöslicher Salze im oberflächennahen Bereich zu reduzieren. Oberflächliche Gipskrusten konnten durch Anionenaustauschharz entfernt werden, wobei sich auch die Kieselgelauflagerungen reduzieren ließen.

Bei der an der Decke gelegenen Musterfläche B war das Erscheinungsbild durch die gelbe Überfassung des ursprünglich weißen Hintergrundes beeinträchtigt. Mittels Anionenaustauschharz wurde der Anstrich entfernt und der fragmentierte barocke Untergrund freigelegt. Malschichtschollen wurden niedergelegt und fixiert, nachdem der spannungsreiche PVAc-Überzug mit Aceton gelöst worden war. Die abschließende Fehlstellenintegration durch Farblasurretuschen beschränkt sich auf das zur Lesbarkeit notwendige Minimum.

An Musterfläche C, die in einem vergleichsweise gut erhaltenen Bereich liegt, konnte durch Reinigung, Nachfreilegung und Lasurretusche ein Zustand er- reicht werden, der dem ursprünglichen Erscheinungsbild wieder relativ nahe kommt, an dem aber zugleich die Spuren der wechselvollen Objektgeschichte ablesbar bleiben.
Dank an o. Univ. Prof. DI Mag. Wolfgang Baatz (IKR), Dipl.Rest. Franka Bindernagel (IKR), BSc. MSc. Kyujin Ahn (IKR), Ao. Univ.Prof. Dr. Johannes Weber (IKT), Dipl. Ing. Dr. Robert Linke (BDA)